Station 20: Lorenzkirche

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Lage: Lorenzkirche, Ostchor, Lorenzerplatz 1

Beschreibung: Älteste Nürnberger Sonnenuhr, die die Nürnberger Stunden anzeigt von 1502, renoviert 1966. DGC (Deutsche Gesellschaft für Chronometrie) 370

Dies ist die älteste Sonnenuhr Nürnbergs, entstanden 1502, nicht, wie wohl bei der Renovierung in diesem Jahr fälschlicherweise angetragen 1564 (MDLXIIII). Die Uhr ist leider in einem sehr schlechten Zustand: Wie auf dem Bild zu erkennen ist der Schattenwerfer zu kurz und die Farben sind stark verblasst.



Wie links unter dem Text nachzulesen ist, wurde diese Uhr von Sebastian Sperantius (Sprenz, ?-1525) angemalt (SEBAST: SPERANTIUS FACIEBAT). Der Entwurf dazu stammt von Johannes Stabius (?-1522) (AVTORE JOHANNE STABIO AVSTRIACO).

Auf dieser Uhr kann nicht nur die aktuelle Uhrzeit und das Datum abgelesen werden, sie zeigt auch, die "Nürnberger Stunden" an. Leicht vereinfacht heißt dies: Sie zeigt an, wie viele Stunden seit Sonnenaufgang vergangen sind.


Direkt über dem Spitzbogen des Chorfensters kann abgelesen werden, wann diese Uhr renoviert wurde. Erkennbar sind die Jahreszahlen 1564, 1655 (in der Literatur findet sich hier allerdings die Jahreszahl 1658 oder 1668) und 1691. Weitere, nicht verzeichnete Renovierungen gab es 1885, 1939 und 1966 (Bild rechts).

 

 

 

Der Sinnspruch links und rechts des Ziffernblattes lautet:
VIVERE DISCE - Lerne zu leben
COGITA MORI - Gedenke des Todes

Der lateinische Spruch lautet:

Qui cupis horarum seriem cognosse diei,
hoc specta iustum, candide lector opus.
Sive velis certam a medio cognoscere lucis
horam, te liquido linea rubra docet;
Sive horas quaeras deprendere solis ab ortu,
discretas atris ductibus esse vides.
Sint licet aequales horae cuiusque diei,
sed spatio reliquas dissimil adspiciunt.
Illud si nescis discrimen hyperbola monstrat.
Quam tibi Apollonii conica clara dabunt.

Deutsche Übersetzung des lateinischen Spruches:

Wenn du die Folge der Stunden des Tages zu kennen wünscht,
dann schau dir gerade dieses Werk an, verehrter Leser.
Wenn du die vom Mittag an gezählte Tagesstunde wissen willst,
dann gibt dir die rote Linie eindeutig Auskunft.
Wenn du aber die Stunden vom Sonnenaufgang her wissen willst,
dann siehst du, dass sie von einander durch die schwarzen Striche getrennt sind.
Mögen auch die Stunden eines jeden Tages gleich lang sein,
so sind sie dennoch von den übrigen Stunden durch unterschiedliche Abstände getrennt.
Falls du es nicht wissen solltest: diesen Abstand zeigt die Hyperbel,
wie die Kegelschnittslehre des Apollonius klar darlegt.

 




Der im Bild rechts gezeigte Stein ist links neben dem südlichen Nebeneingang der Lorenzkirche zu finden. Falls er bei der Renovierung der Kirche nach dem zweiten Weltkrieg auf dem Kopf stehend eingemauert wurde, könnte es sich hierbei um eine einfache eingekratzte Sonnenuhr handeln, die dann möglicherweise sogar noch älter ist als die Sonnenuhr am Ostchor.